Ein Sommer im Schwimmbad

Meine Knie machten mir schon seit Wochen zu schaffen – zu viele intensive Sporteinheiten hatten ihren Tribut gefordert. Mein üblicher Orthopäde war im Urlaub, also schickte man mich zu seinem Kollegen, nur ein paar Straßen weiter. Als ich die Praxis betrat, fiel mein Blick sofort auf die junge Frau an der Anmeldung. Sie war höchstens Mitte zwanzig, mit blonden Haaren, die in sanften Wellen über ihre Schultern fielen, und einem Lächeln, das selbst den grauen Wartebereich erhellte. Ihr weißer Kittel saß perfekt, und ihre freundliche Art, als sie meine Daten aufnahm, ließ mich fast meine Knieschmerzen vergessen.

Im Behandlungszimmer hörte sich der Arzt meine Beschwerden an und empfahl mir Schwimmen – gelenkschonend und gut für die Ausdauer. Ich bedankte mich und ging zurück zur Anmeldung, um meinen Termin zu bestätigen. Die Arzthelferin, Anna, wie ich später erfuhr, sah mich an. „Schwimmen also?“, fragte sie mit einem schelmischen Lächeln. „Gehst du ins Hallenbad hier in der Nähe?“ Etwas überrumpelt nickte ich. „Vielleicht heute Nachmittag.“ Sie zwinkerte. „Ich auch. Viel Spaß!“

Am Nachmittag packte ich meine Badesachen und machte mich auf den Weg ins Hallenbad. Nach ein paar Bahnen im großen Becken – die Knie dankten es mir tatsächlich – ließ ich mich im warmen Thermalbecken treiben. Plötzlich sah ich sie. Anna kam aus dem Duschbereich, in einem schlichten, aber eleganten Badeanzug. Sie scannte den Raum, bis ihr Blick auf mich fiel. Mit einem fröhlichen Winken kam sie herüber und glitt ins Wasser. „Na, fleißig trainiert?“, fragte sie, ihre Augen funkelten. Ich grinste. „Eher entspannt. Und du?“ Sie lachte. „Ich schwimme gleich noch ein paar Bahnen, aber hier ist es erstmal gemütlich.“

Wir plauderten eine Weile, das warme Wasser und ihre unbeschwerte Art machten es leicht, die Zeit zu vergessen. Irgendwann verabschiedete sie sich, um ihre Bahnen zu ziehen. Ich blieb noch einen Moment, bevor ich mich auf den Weg zu den Duschen machte. Als ich aus der Umkleide kam, stand Anna plötzlich vor mir, frisch geduscht, ein Handtuch um die Schultern. „Gehst du schon?“, fragte sie. Ich nickte, aber sie hielt meinen Blick einen Moment länger fest. „Magst du noch einen Kaffee trinken? Gleich um die Ecke gibt’s ein nettes Café.“

Überrascht, aber erfreut, stimmte ich zu. Wir fanden einen kleinen Tisch im Café, und während der Kaffee dampfte, erzählte sie mir von ihrer Arbeit, ihrem Faible fürs Schwimmen und ihrem Traum, irgendwann eine eigene Praxis zu leiten. Ich erzählte von meinem Sport und den kaputten Knien, was sie zum Lachen brachte. „Du musst echt besser auf dich aufpassen“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Als wir uns verabschiedeten, reichte sie mir ihre Karte. „Falls du nochmal einen Termin brauchst – oder einfach so Lust auf einen Kaffee hast.“ Ich lächelte. „Ich melde mich, Anna.“

Seitdem ist Anna nicht nur meine medizinische Ansprechpartnerin, sondern auch jemand, mit dem ich regelmäßig einen Kaffee trinke – und ab und zu ein paar Bahnen im Hallenbad ziehe.